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Züchter sind die Türsteher der Hundewelt

Ich dachte immer, wenn einmal die Entscheidung für ein Tier gefallen ist, dann ist der Weg bis zur Umsetzung des Projekts ein Klacks. Falsch gedacht! Daran erkennt man den blutigen Anfänger. Denn ab jetzt betritt man Neuland. Es existieren zwei Welten nebeneinander: meine bisherige Welt gegen die Welt der Hundebesitzer. Und diejenigen, die die Tickets zwischen den Welten ausstellen, heißen Züchter, eigentlich viel eher Wächter. Denn sie wachen darüber, dass niemand ihre Welt betritt, der eines Hundes unwürdig ist. An diesen Türstehern musste ich also erst einmal vorbeikommen.

 

Ich habe schon so manche Prüfung im Leben gemeistert: Seepferdchen, Führerscheinprüfung, einen Universitätsabschluss und Vorstellungsgespräche – aber auf die Fragen der Züchter bereitet das nicht vor. Dementsprechend verliefen die ersten Kontakte zu Züchtern in diesem Stil ab:

 

 

 

„Haben Sie Vorerfahrungen?“ 

 

Die ehrliche Antwort: Nur mit Kaninchen, aber die sind alle nach kurzer Zeit gestorben.

 

Stattdessen: Wir lieben Hunde. Mein Mann und ich sind mit Hunden aufgewachsen (Der zweite Satz stimmt wirklich!).

 

„Warum gerade einen Welpen aus meinem Wurf?“ 

 

Weil die Fellfarbe so gut zu meinem Teppich passt?

 

Besser: Weil Sie ein erfahrener Züchter sind. (Es gibt ja tatsächlich schwarze Schafe in diesem Geschäft...)

 

„Wie viele Züchter haben Sie denn schon angerufen?“

 

Ich führe leider keine Strichliste... oder: Niemand wollte uns bisher haben.

 

Besser: Sie sind unsere erste Wahl.

 

„Haben Sie Kinder?“

 

Ja, aber die tun nichts, die wollen nur spielen.

 

Richtig: Die Kinder sind schon größer. Sie sind überaus verständig und haben sich schon in die Welpenerziehung eingelesen.

 

„Wer ist der Hauptverantwortliche in Ihrer Familie für das Tier? Wer kümmert sich?“ 

 

Die inoffizielle Version: Meine Tochter.

 

Die offizielle Version? Dann also ich.

 

„Wie viel Zeit haben Sie für das Tier? Arbeiten Sie Vollzeit?“

 

     Ich habe extra wegen des Tieres meine Stelle gekündigt.

 

Vorsicht Ironie! Besser: Ich arbeite im Homeoffice. Da bleibt viel Zeit für den Vierbeiner. (Was in meinem Fall tatsächlich stimmt!)

 

„Wie planen Sie Ihre Urlaube? Machen Sie oft Flugreisen?“

 

Da wir jetzt nach Berlin ziehen und den Flughafen Tegel direkt vor der Haustür haben, würden wir unheimlich gern mehr Kurzurlaube, also quasi jedes Wochenende... – bloß nicht darüber nachdenken! Besser: Nööö, wir stehen ja so gar nicht auf Urlaub. (Am liebsten buchen wir runtergeranzte Fewos in Hintertutzing, in denen Hunde erlaubt sind...)

 

„Wie kommen Sie auf die Rasse?“

 

Mmh, also eigentlich wollten wir einen Doodle, aber der Züchter wollte uns nicht... jetzt also Pudel, die sind ja so klug, oder vielleicht doch einen Mops? Meine Freundin hat einen Mops, der ist sehr niedlich. Aber wenn ich ehrlich bin, hätte ich ja am liebsten einen Boxer, damit konnte ich mich in der Familie aber nicht durchsetzen. Also musste ein Kompromiss her... NEVER!

 

Besser: Wir können uns gar keine andere Rasse vorstellen.

 

Vielleicht, ja, vielleicht werden Sie daraufhin zu einem ersten Kontakt vor Ort eingeladen...

 

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