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KaDeWe ade!

Neue Stadt, neue Wohnung, neues Familienmitglied: Ab jetzt mit Hund! Was das in seiner Tragweite eigentlich bedeutet, konnte ich beim Unterschreiben des Vertrages noch nicht wirklich überblicken. Ab jetzt keine Sonntage mehr im Bett - nicht mehr ausschlafen oder einfach stundenlang liegenbleiben, um ein spannendes Buch zu Ende zu lesen - ... Ich hatte die Sache mit dem Hund nicht bis zu Ende gedacht!

 

Die Tatsache, dass ich mit einem Welpen keine Ausflüge nach Berlin Mitte machen konnte, traf mich so unvermittelt, als hätte jemand einen Eimer Wasser über mich gegossen: Ein kleiner tapsiger Welpe, der mich bis aufs Klo verfolgte, beim Duschen vor der Duschtür lag und mich im Auto – vor dem Kotzen oder dazwischen – so ansah, als hätte sein letztes Stündlein geschlagen, war nicht auf Großstadtabenteuer aus. Bis dieser kleine Vierbeiner lernte, ein paar Stunden allein zu bleiben, gingen Monate ins Land, wenn nicht gar ein Jahr. Im Auto erbrach er sich weiterhin regelmäßig, laute Geräusche machten ihm Angst, U-Bahnfahren wollte ich ihm noch nicht zumuten (würde das irgendwann möglich sein?). Also sagte ich: Konzerte, Kunst und KaDeWe ade!

 

Lernerfahrung morgens:

Das erste kleine Stückchen Freiheit, das ich mir zurückerobert hatte, war die Morgenroutine. Auf dem Weg zur Stubenreinheit musste ich akzeptieren, dass die Nächte unruhig waren und die Tage früh begannen. Wenn ich zwischen fünf und sechs Uhr morgens mit Boomer im Garten war, damit er Pipi machen konnte, war er danach aufgedreht und wach. So ging ich im Anschluss daran manchmal mit ihm schon um sechs Uhr raus und trieb mich auf der Strasse oder im Park herum, während die anderen in den Sommerferien noch in ihren Betten dösten. Ramona riet mir, mich einfach nach dem Gartengang wieder hinzulegen, Boomer zu ignorieren und selbst den Takt vorzugeben, wann der Tag beginnen sollte.

Nachdem Boomer sich am Anfang noch ziemlich ins Zeug warf, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen, vor meinem Bett Tänzchen aufführte, bellte, Schuhe und Strümpfe demonstrativ an meiner Bettseite vorbeitrug, ohne dass ich reagierte (ihn noch nicht einmal schimpfte, weil er etwas Verbotenes tat!), ließ er seine Bemühungen ziemlich schnell fahren. Jetzt liegt er morgens sehr friedlich auf seinem Plätzchen. Er ist nicht mehr der erste, der wach ist.

 

 

 

 

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