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Früher war anders

Meine Erinnerung gaukelt mir vor, dass das Zusammenleben mit Hund früher einfach war. Oder habe ich wieder einmal meine rosarote Nostalgie-Brille auf?

 

Als Kind bin ich mit Tieren aufgewachsen. Beide Großelternpaare hielten Hunde. Sie waren nicht selten Wachhunde, kannten wieder Tierärzte noch Hundeschulen und kamen dennoch durchs Leben. Ich bin mir sicher, wenn ich meinen Omas und Opas heute davon erzählen könnte, dass ich mit unserem Hund zur Vorschule gehe, sie würden mich abwechselnd auslachen oder für verrückt halten.

 

Meine intensivsten Hundeerfahrungen beziehen sich auf die Boxerhündin Polka und den Boxerrüden Ringo. Sie etablierten beide in etwa die gleichen Unarten: Ihre massigen Körper lagen meist auf dem großen Sofa. Dort wurden sie vom Sessel aus vom Frauchen in Spielfilmlänge gekrault. Das einzige Kommando, das sie erlernten, war: Plätzchen. Und das bedeutete nicht etwa, den sofortigen Rückzug in den Hundekorb, nein. Beim Wort Plätzchen lief vor allem dem Boxerrüden Ringo sofort die Sabber aus den Lefzen und tropfte auf den Perserteppich. Gut, wenn er nicht auch noch vor Freude das bullige Haupt schüttelte, bevor es das gab, was das Wort ihm verhieß: Einen Keks aus einer Keksmischung, die immer in kleinen Glasschalen auf irgendwelchen Tischchen zu finden war. Waffelkekse, Butterkekse, Kekse mit Marmelade: Plätzchen eben.

 

Polka zumindest hat diese extra Leckerlis nicht gut vertragen. Zeitlebens war er übergewichtig und starb in einer stürmischen Gewitternacht an Herzversagen. Wo? Natürlich lang ausgestreckt auf dem Sofa!

 

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