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Teppichpinkler

Meine größte Angst: Er wird nicht stubenrein.

Aber schon beim ersten Besuch bei der Züchterin fiel uns auf, wie reinlich die kleinen Welpen bereits waren. Sie pinkelten z.B. nicht auf ihren Schlafplatz, sondern hatten sich eine der hinteren Ecken ihres Territoriums als Toilette auserkoren.

 

Zu Hause haben wir uns dann an die üblichen Tipps gehalten: alle zwei Stunden raus – und natürlich nach dem Essen. Nachts merkte ich, wenn Boomer auf seiner Decke vor dem Bett unruhig wurde und dann ging es ab in den Garten. Nachts ist bisher auch nie ein Malheur passiert – Boomer weiß: mein Schlafzimmer ist keine Pinkelwiese.

 

Und dann das:

Boomer hat uns längere Zeit erfolgreich an der Nase herumgeführt! Er hatte einen Notfallplan für zwischendurch oder einfach mal so entwickelt. Der größte Raum – auf dem Boden alte Dielen, ein schöner Kamin – stand nach unserem Umzug noch lange mit Umzugskartons voll. Nach und nach wurden diese in die richtigen Zimmer gebracht und ausgepackt. Als der Welpe bei uns einzog, wirkte dieser Raum wie ein einzigartiges Labyrinth aus gestapelten Kartons mit schmalen Gängen dazwischen. Wir hielten die Tür in der Regel geschlossen (für uns war es kein schöner Anblick, zeigten uns die Kisten doch, wie viel Arbeit noch auf uns wartete...). Allerdings wurde Boomer von diesem Raum magisch angezogen und nutzte jede Gelegenheit, dort hinein zu huschen, bis ich den Grund dafür herausfand:

 

Eine gelbe Pfütze hinter einem Kartonstapel verriet ihn mir. Ich war entsetzt! Aber was sollte ich tun? Schließlich hatte ich Boomer nicht in flagranti erwischt. Ich behielt Boomer besser im Auge und die Türen verschlossen (zwei Türen!). Beim Ausräumen der Kartons passierte es wieder. Ich schimpfte. Dann passierte es, obwohl Boomer fünf Minuten vorher in den Garten gepinkelt hatte! Und dann sah ich ihn, dass er auf dem Weg nach draussen einfach mal schnell in den Pinkelraum abbog, der nun fast leer geräumt war und nicht mehr viele Fluchten bot, um sein kleines Geschäft zu erledigen. Scheinbar gefiel ihm diese Indoor-Toilette viel besser als der riesige Garten mit den vielen schönen Hecken und abgeschiedenen Pinkelmöglichkeiten.

 

Die Türen wurden wieder strenger kontrolliert und geschlossen gehalten. Als die Kisten endlich alle ausgepackt waren, kam der große Raum an die Reihe. Hier mussten die Wände gestrichen und die Fenster geputzt werden. Boomer, so glaubte ich, hatte mittlerweile seine Pinkelvorlieben im Griff und pullerte nur noch im Garten. Als ich auf der Leiter stand und die Fenster putzte, sah ich aus den Augenwinkeln, wie er den dicken Schlingenteppich beschnüffelte, um sich dann hinzuhocken. Nein!!! Er pinkelte hier tatsächlich auf den teuren Rhönschafteppich!!! Ich rief und schimpfte von der Leiter runter, Boomer sah irritiert auf, legte die Ohren an und wusste so gar nicht, was ich von ihm wollte. War das denn nicht der allgemein anerkannte Pinkelraum? Hier wohnte oder schlief doch niemand!

 

Beim Entfernen des Malheurs haben wir festgestellt, dass der Teppich bereits mehrfach bepinkelt wurde – ich habe keinen blassen Schimmer, wie der kleine Kerl das angestellt hat, denn in meiner Erinnerung haben wir die Türen weitestgehend geschlossen gehalten.

 

Vielleicht verschenke ich unseren Teppichpinkler doch an den Erstbesten...

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