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Der Tag, an dem Boomer fast gestorben wäre...

Gestern bin ich schwach geworden:

Es war warm, sonnig, der See wie eine goldene Scheibe – Ich ließ Boomer gewähren und ins Wasser! Er hatte seinen Spaß. Alles war gut. Als er wieder am Ufer war, wurden wir von einer Dame mit Hund abgefangen, die uns über mehrere Dinge belehrte: Erstens sei das Baden für Hunde im See grundsätzlich verboten und zweitens seien im letzten Jahr 15 Hunde nach dem Baden an einer Blaualgenvergiftung gestorben. Und ich wolle doch nicht, dass mein kleiner, niedlicher Hund an einer Vergiftung stürbe, nur weil ich ihn in den See gelassen habe?

 

Im ersten Moment dachte ich: Ok, Hunde leben gefährlich. Passieren kann doch immer etwas, oder? Sollte dann wohl nicht sein: ab jetzt mit Hund... (ein böser Gedanke, gebe ich zu...)

 

Die Frau drehte noch einmal auf: Auch wenn das Wasser hier klar sei, das Gift könne man nicht sehen. Außerdem würden nachts stinkende Abwasser in den See geleitet. Alles in allem ziemlich gefährlich. Und die Stadt vertusche das. Ne, is klar! Mein Blick wanderte über den See, die zahlreichen Enten, ein paar Schwäne, die majestätisch übers Wasser glitten, weiter hinten mehrere Ruderboote. Im Sommer waren wir hier baden. Die Frau redete weiter auf mich ein. Ich bedankte mich für die Aufklärung und verließ die hochtoxische Gefahrenzone.

 

Zu Hause hatte ich das Gespräch schon fast vergessen, als mein Mann sagte:

„Was hast du denn heute mit Boomer gemacht? Der liegt ja wie tot auf seiner Decke und rührt sich nicht mehr.“

Wie tot? Echt jetzt?

 

Das kennen wir ja von ihm nicht, dass er mal irgendwo ruhig liegt, ohne uns zumindest aus einem Auge im Blick zu behalten. Aber heute – nada, nichts, noch nicht einmal ein Blinzeln. Ich klappte also den Laptop auf und recherchierte, Tegel, Blaualgenvergiftung bei Hunden. Tatsächlich waren im letzten Jahr hier mehrere Hunde gestorben. Tatsächlich sind Blaualgen sehr giftig. Ob das die Todesursache war, konnte nicht 100% geklärt werden, aber...

 

Normalerweise soll man Hunde ja nicht aus dem Schlaf wecken. Und ich bin eigentlich froh, wenn der kleine Racker mal schläft. Er schafft es nicht auf die 18-20 Stunden, die für sein Alter laut Hunderatgeber empfohlen werden. Aber heute versuche ich, ihn wach zu kriegen. Ich spreche ihn an. Nichts. Ich rufe ihn. Nichts. Ich streichle ihn und rede auf ihn ein. Er hebt müde das Köpfchen, blinzelt, bettet sich wieder auf seine Pfötchen. Da hilft nur die allerletzte Geheimwaffe. Sollte er darauf nicht reagieren, fahre ich sofort zum Tierarzt.

 

Ich gehe in die Küche, öffne den Kühlschrank und nehme einen kleinen Käsewürfel heraus. „Boomer, Leckerli!“, rufe ich. Ich habe die Kühlschranktür noch nicht wieder geschlossen, als Boomer bereits vor mir sitzt und mich ziemlich munter und in Vorfreude auf das, was ich da in Händen halte, anblickt. Er bekommt seinen Käse.

 

Zurück in den Schlaf findet er nicht. Dafür folgt er mir wieder auf Schritt und Tritt durchs Haus – es könnte ja noch etwas Käse für ihn abfallen.

Heute wäre Boomer also nur fast gestorben.

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Kommentare: 2
  • #1

    Westwindwusel (Dienstag, 02 Oktober 2018 20:08)

    Hihi, Boomer fährt also auch auf Käse ab - hier nicht anders. —- Das mit der gemeinen Blaualge hatte ich auch noch nicht gehört �. Darf er denn nun jemals wieder in den See? Oder wird die aufmerksame Frau Patrouille laufen und alle Unwissenden weiter vom Wasser abhalten? Bleibt spannend. Liebe Grüße aus der warmen Stube, ohne Algen, dafür mit viel Käse im Kühlschrank ���

  • #2

    Johanna (Dienstag, 02 Oktober 2018 20:16)

    O,o...zum Glück ist die blaualgenzeit ja schon vorbei. Aber die Geschichte hast du herrlich geschrieben!!