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Die wollen nur spielen...

Gerade hatte ich die Bekanntschaft mit zwei Irischen Wolfshunden gemacht (ich berichtete gestern), da bog aber bereits die nächste Überraschung um die Ecke:

 

Ein drahtiger Jagdhund mit Maulkorb, der Hannibal Lecter unter den Vierbeinern, der sich ziemlich weit von seinem Frauchen und einem Kollegen auf vier Beinen entfernt hatte... 

 

Wozu der Maulkorb, fragte ich mich. Ein Listenhund? Nach Statur und Farbe könnte es sich um einen Dobermann handeln... Vielleicht hält der Maulkorb ihn aber auch nur davon ab, nichts vom Boden zu fressen? Boomer ist ja auch so ein Vielfresser. Mit ihm trainiere ich gerade, dass er nichts vom Boden aufnimmt... einen Maulkorb benötige ich dazu allerdings nicht.

 

Egal, sage ich mir, jetzt nicht mit Nebensächlichkeiten aufhalten, schließlich bin ich kein Hundepsychiater. Es wird schon einen Grund geben, warum der Hund einen Korb trägt.

 

Boomer starrte irritiert auf die Maskierung seines Gegenübers. Der Maulkorbhund sprang jetzt auf ihn zu und Boomer zur Seite. Ich rief Boomer und ging zügig weiter, ohne mich nach Hannibal Lecter noch einmal umzusehen.

 

Aus den Augenwinkeln sah ich, wie er abdrehte. Vermutlich hatte er beschlossen, seinem Rudel zu folgen. Gute Entscheidung!

 

Bloß weg hier, dachte ich, erst die Berührung mit der Wolfshundschnauze, der mir noch wie der kalte Kuss eines Dementors in den Eingeweiden saß, jetzt der furchteinflößende Maulkorbhund. Ich kam nicht weit. Kinderstimmchen, giggelnd und kichernd vor uns, gleich hinter der nächsten Biegung. Boomer wedelte aufgeregt mit dem Schwanz. Kinder! Er liebt Kinder und zwar genauso innig wie seinen Quietscheball, auf dem er ausdauernd herumkaut. Also rufe ich ihn zu mir und leine ihn an. Und vielleicht haben die Kinder Angst vor ihm?

 

Zumindest damit liege ich falsch. Zwei kleine Stöpsel, die gerade mal das Laufen gelernt haben, stehen in Gummistiefeln und Warnweste nicht allzu weit von uns entfernt und zeigen auf Boomer. Ein weiteres Kind bleibt stehen, läuft heran, während zwei erwachsene Frauen mit jeweils zwei Kindern an den Händen weitergehen. Sie scheinen ins Gespräch vertieft. Sie drehen sich nicht um. Meiner Meinung nach bemerken sie noch nicht einmal, dass die Hälfte ihres Zwergentrosses stehengeblieben ist. Ich warte und beobachte. Die Erwachsenen entfernen sich immer weiter. Die Kinder suchen sich Stöcke vom Boden. „Wollt ihr nicht zu euren Freunden?“, frage ich und überlege, ob ich sie zu ihrem Rudel führen sollte. „Freunde!“, lacht eines der Kleinen. Ich warte und werde immer fassungsloser. Was, wenn die Wolfshunde oder der Maulkorbhund jetzt aus dem Gebüsch springen und mit den kleinen Knirpsen spielen wollen?

 

Da sehe ich, dass die Frauen am Ende des Weges – kaum noch in Ruf- und Sichtweite – bemerken, dass sie unterwegs Kinder verloren haben. Langsam drehen sie um. Sie rufen die Kinder heran, die gar nicht einsehen, warum sie der Aufforderung folgen sollen.

 

Sollten das – und davon gehe ich aus – zwei Tagesmütter gewesen sein, ich würde ihnen mein Kind auf keinen Fall anvertrauen.

 

Für mich halte ich fest: In einem Hundeauslaufgebiet müssen die Halter stets ein wachsames Auge auf ihre Tiere haben und gut aufpassen – aber das gilt doch auch für kleine Menschen, die uns anvertraut sind, oder?

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