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Klogeschichten

Ich könnte jeden Tag eine Klogeschichte erzählen.

 

Unser Gäste-WG ist winzig, aber wenn ich nicht schnell genug die Klotür schließe, schiebt sich Boomer noch zwischen die Kloschüssel und meine Beine. Platz ist in der kleinsten Hütte. Und wenn er mir nicht bis zum stillen Örtchen folgt und sich auch nicht vor die geschlossene Tür legt, bin ich wachsam und spitze meine Ohren. Dann muss ich mich beeilen. Denn neuerdings nutzt er jede Gelegenheit, um allein die Küche zu inspizieren. Mehr als einmal bin ich unverrichteter Dinge aufgesprungen, weil aus der Küche ein verräterisches Klappern an mein Ohr drang. Dann sitzt Boomer auf einem Stuhl am Tisch, die Vorderpfoten auf der Holzplatte, die Zunge ausgefahren und schleckt die Krümel auf oder, wenn es ganz gut für ihn läuft, einen stehengelassenen Teller ab. Ich gebe zu, Küchen liebt er vermutlich am allermeisten, aber dicht gefolgt von den Badezimmern.

 

Seit der Hitzewelle im Sommer schläft er nachts am liebsten auf den Fliesen im Bad. Aber auch zu anderen Gelegenheiten hält er sich hier auf. Wenn ich dusche zum Beispiel. Er versucht dann hinterher noch etwas vom Duschwasser aufzulecken. Da er mir tagsüber oft auf Schritt und Tritt folgt, mein Mister Kontrolletti, leide ich auch nachts manchmal an Verfolgungswahn. Letztens schlurfe ich nachts zum Klo, ohne Licht zu machen. Da fällt mein Blick auf etwas, das aussieht wie Boomer, der aufrecht vor mir sitzt und mich beobachtet.

 

„Das gibt`s doch gar nicht!“, sage ich laut, „jetzt kann ich noch nicht mal nachts in Ruhe pinkeln, Boomer!“

 

Bei dem Wort Boomer regt sich etwas weiter hinten im Hundekörbchen. Ich reibe mir die müden Augen und erkenne, dass ich mit dem großen pastellfarbenen Mülleimer geredet habe. Boomer liegt unschuldig auf seinem Plätzchen. Aber jetzt ist er wach.

Unauffällig folgt er mir zurück ins Bett, wo er es sich am Fußende bequem macht.

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