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Wer schmatzt denn da?

Heute morgen. Ich sitze am Frühstückstisch, einen Kaffee in der Hand, die Zeitung in der anderen, da fällt mir das leise Schmatzen unterm Tisch auf. Erst denke ich, ach, so, Boomer. In der Zeit des Zahnens hat er ständig geschmatzt, auch nachts, sein Gebiss hin und her bewegt, sich mit der Zunge über die geschwollenen Hügel im Mund gefahren. Natürlich hat er damals nichts ausgelassen – kautechnisch. Manchmal habe ich ihm einen Lappen kurz im Kühlfach angefroren und Boomer danach darauf kauen lassen. Das hat ihm Erleichterung verschafft.

 

Nicht so schön ist es, wenn er sich Sachen sucht, die überhaupt nicht gehen: Spülschwämme, Plastikverpackungen – die frisst er auf, wenn ich nicht aufpasse, Computerkabel, Schulbücher. Unschön ist auch, wenn er einzelne Knötchen aus dem dicken Schlingenteppich zieht und darauf herumkaut. Ich könnte so einige Dinge aufzählen, die Boomer in den ersten Wochen zerkaut und damit zerstört hat. Aber mittlerweile wird es besser. Erstens hört er – hin und wieder – auf das Wort: Aus! Oder: Nein! Die neuen Zähne probiert er überwiegend an seinem Hundespielzeug aus, vornehmlich seinen Softbällen. Besonders beruhigend ist es für ihn, wenn er meine Hand oder mein Handgelenk im Maul hat. Er seufzt dann ganz laut, ohne zuzubeißen und schließt die Augen.

 

Er schmatzt immer noch unterm Tisch. Ich sehe in zwei unschuldig blickende Augen. „Is was?“, scheinen diese zu sagen. Ich weiß nicht, ob was ist, denn ich sehe nichts. Boomers Kiefer bewegt sich genüsslich. Da fällt mir der schwarze Wollfaden auf. Ich trage heute einen sehr langen, wunderschönen Wollschal an dessen Enden schwarze Wolltroddeln baumeln. Ein Lieblingsteil. Aber da baumelt nichts mehr. Boomer hat die Quaste komplett im Maul und findet das wunderbar. Nur an dem einen Wollfaden hängt sie noch. So eine Pissnelke!

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