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Noch ein Pubertier!

Der Begriff "Pubertier" geht - meines Wissens - auf Jan Weiler zurück. Der Autor und Kolumnist hat bereits mehrere Bücher mit Geschichten veröffentlicht, die das Leben mit Heranwachsenden zum Thema haben. Eben waren es noch Kinder, mit einem Mal sind es Wesen von einem anderen Planeten. Man spricht nicht mehr dieselbe Sprache. Das Zusammenleben mit Pubertieren stellt Eltern vor ganz neue Herausforderungen. War man gerade noch die "liebe Mama", ist man plötzlich "peinlich".

 

So, und seit neuestem ist unser jüngstes Familienmitglied in der Pubertät, zumindest erkläre ich mir die neuen Verhaltensweisen so. Ich merkte auf, als Boomer begann, einfachste Kommandos nicht mehr zuverlässig zu befolgen. Ein schlichtes "Sitz" ignorierte er in der Hundeschule, wo er bisher immer vorgab, ein kleiner Streber zu sein. Er trickste uns aus. Wartete, bis wir den Raum für einige Sekunden verließen, um sich dann irgendetwas zu schnappen, was für ihn tabu war: Mit Vorliebe den Spülschwamm in der Küche. Damit flitzte er blitzschnell in ein anderes Zimmer, um seine Beute nach allen Regeln der Kunst zu zerlegen. Im Advent haben es ihm die Fröbelsterne aus Papier angetan. Schon mehrfach hat er sich welche vom Adventskranz stibitzt. Natürlich immer, wenn ich nicht hinsehe. Mittlerweile bin ich natürlich gewarnt. Liegt er auf dem Wohnzimmerteppich und schaut mich, wenn ich vorbeigehe, mit leicht erhobenem, zur Seite geneigten Kopf an, dann sollte ich nachsehen, ob er etwas in seinem Maul versteckt. Was ich da manchmal finde... Bonbonpapier, Taschentücher, Lateinvokabelkarten, ganze Socken lässt er in seinem Maul verschwinden und tut so, als habe er dort nichts versteckt. Bevor ich ihm die Sachen dann entwende, atmet er hörbar durch die Nase aus und schließt sein Gebiss, so fest er kann. Nur mit äußerstem Nachdruck bekomme ich seine Beute zurück. Neulich hat er sich eine ganze Reihe Briefmarken geschnappt und geschreddert. Langsam geht so ein Hund ganz schön ins Geld...

 

Auch beim Spazierengehen benimmt er sich nun wie ein Rowdy. Den Hundedamen rückt er dicht auf die Pelle und lässt sich auch durch Zähnefletschen nicht davon abhalten, das Hinterteil ausgiebig zu beschnüffeln. Trifft er auf einen Rüden, wird es körperlich, dann wird gerempelt und besprungen und vielleicht gekläfft. Mein ängstlicher Welpe ist zu einem Halbstarken geworden, der sich auch von den Kevins unter den Hunden nicht mehr verschrecken lässt, sondern selbst gut austeilt - bis, ja bis ein größerer oder älterer Hund auftaucht, dann beruhigen sich die Hormone und er tut, als könne er kein Wässerchen trüben.

Das hält nicht lange an. Zuhause lotet er wieder seine Grenzen neu aus. Und ich bin ziemlich genervt, das Pubertier in seine Schranken zu weisen. Aber das ist nur eine Phase, oder?

 

Nur eins, das macht das PuberTIER nicht - im Gegensatz zu den zweibeinigen Pubertieren: Er mäkelt nicht am Essen. Boomer hat einen gesegneten Appetit und frisst alles, auch das, was er gar nicht fressen darf!

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