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Verfilzt und zugenäht!

Das hat mir niemand gesagt. Und ich habe nicht darüber nachgedacht. In meinem Kopf gab es nur einen Gedanken: Oh, wie ist das Fell so schön - so lockig und so hell! Tolle Farbe. Passt zu allem. Dass die Fellpflege so aufwendig werden würde, war mir natürlich nicht klar. Außerdem hatte ich gehofft, dass die Kinder das Kämmen des Hundes übernehmen. Wäre das weiterhin ihr Job, wäre er schon bald eine Filzkugel auf Beinen...

 

Aber auch ich stoße bei Boomers Zottelfell an meine Grenzen. Aber von Anfang an:

 

Im Oktober wurde Boomer zuletzt geschoren. Dann wurde es kalt. Im Dezember traf ich unsere Hundetrainerin und Hundefrisörin, die ihre Stirn runzelte, als sie Boomers belockte Öhrchen sah. "Da kommt langsam Filz!", sagte sie. Also vereinbarten wir einen Termin zum Scheren. Meine Tierärztin, die ich wenig später traf, riet mir dringend davon ab, gerade jetzt das Fell zu kürzen. "Das macht man nicht, wenn es so kalt wird."

Also sagte ich den Termin wieder ab. Dass das ein großer Fehler war, stellte sich dann vier Wochen später heraus: Sogar ich sah und fühlte, dass Boomer hartnäckige Filzknüddel im Fell hatte. Die Ohren waren besonders betroffen. Ich griff selbst zur Schere... und kann nur jedem raten: Tut es nicht! Es ist schnell mal hineingeschnitten in so einen zarten Ohrlappen! 

Zum Glück hat Boomer sein Ohr behalten, aber eine riesige Felllücke habe ich ihm verpasst. Seine Ohren sahen mit einem Mal seltsam asymmetrisch aus... Also rief ich unverzüglich die Fachfrau und Hundedompteuse. Bevor die sich aber um Boomers Fell kümmerte, wusch sie mir erst einmal den Kopf: Warum ich der Tierärztin mehr vertraut hätte als ihr! Sie wisse, wie man mit dem Fell eines Hundes umgehe. Und natürlich mache sie es nie so kurz, dass der Hund frieren müsse. Nun sei es allerdings bereits fünf vor zwölf, fast zu spät... Na ja, sie wolle mal sehen, was noch zu retten sei.

 

Drei Stunden später war aus dem zotteligen Wasserhund ein gerupftes Huhn geworden. Wir, Hund, Frisörin und ich, entnervt, völlig fertig. Das war ein hartes Stück Arbeit. Die meiste Zeit über: Handarbeit. Die Schermaschine konnte keinen Weg durch die Filzlocken fräsen... Boomer bekam einen großen Knochen nach der Tortur und die Felldompteuse ein ordentliches Trinkgeld. Überhaupt hätte sie jeden Preis nennen können - ich hätte bezahlt.

 

Ich bin als Hundefrauchen sogar zu doof zum Kämmen, ärgerte ich mich und schwor mir, Boomer nun täglich mit Entfilzungsspray und Kamm auf den Pelz zu rücken. Das ist jetzt genau eine Woche her. Wie viele Male habe ich seitdem den Hund gekämmt, ordentlich gekämmt?

Zweimal.

 

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