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Mantrailing

Die Schnüffelnase will Beschäftigung haben. Wir haben das von Anfang an zu Hause gefördert: die Nasenarbeit. Wir verstecken einen Gegenstand, meist ein Spielzeug, das Boomer mag. Auf das Kommando "SUCH den Fuchs (oder was auch immer)!" wirft er seinen Riechkolben an und rennt los. In Nullkommanix hat er den Gegenstand gefunden und bringt ihn mir. Dafür wird er mit Leckerli belohnt.

Manchmal spielt meine Tochter mit Boomer. Sie versteckt sich irgendwo im Haus und ruft dann: "Such mich!" Boomer rennt aufgeregt durch jedes Zimmer und gibt keine Ruhe, ehe er sie gefunden hat. Dies alles geschieht ziemlich planlos, es ist Spielerei, von uns erdacht.

 

Mantrailing basiert auf Regeln - die nicht nur für den Hund, sondern auch für mich gelten. Aber von vorn...

 

Wir treffen uns zu dritt an einem mir und Boomer unbekannten Ort. Die Hunde, die nicht aktiv suchen, warten im Auto. Das Arbeitstier wird angeleint (z.B. an eine 5m lange Biothane-Schleppleine), der Hund trägt ein gut sitzendes Geschirr. Nachdem Boomer die Zweibeiner begrüßt, geschnüffelt und sich vielleicht einmal gelöst hat, wird er in den Sitz gerufen und erhält seine Sicherheitsweste an. Die Weste gehört zum nötigen Equipment. Warum? Weil der Hund durch die Signalfarbe gut gesehen wird. Außerdem gehört sie zur Arbeitskleidung des Suchhundes. Wenn ich ihm die Weste anlege, bedeutet das für ihn: Der Arbeitsmodus beginnt. 

 

Heute ist unsere zweite Trainungsstunde. Boomer spürt sofort, was Sache ist. Er ist aufgedreht, er freut sich und will nicht stillsitzen. Warum kann er nicht sofort losspurten? Wen soll er suchen? Auf geht`s ... Aber so schnell geht es dann doch nicht. Erst einmal heißt es: Ruhe bewahren. Weste an. Danach füttert die (fremde) Person, die gesucht werden soll, Boomer mit ein paar Keksen aus der Hand und macht sich auf diese Weise interessant. Dann entfernt sie sich. Das erste Mal kann Boomer sehen, wohin sie sich entfernt. Die Entfernung ist noch nicht allzu groß. Aber - obwohl Boomer bereits zieht und drängelt - darf er noch nicht losrennen. Erst halte ich ihm einen persönlichen Gegenstand der zu suchenden Person unter die Nase und sage gleichzeitig das Suchwort: "TRAIL!" Erst diese Aufforderung ist das Startsignal.

 

Ich habe Mühe, die Leine festzuhalten, Boomer weiß genau, wo er hinmuss. Er zieht. Er findet. Er wird mit einer großen Portion toller Leckerli belohnt. Das nächste Mal wird es schwieriger. Auch für mich. Die Abstand zur suchenden Person wird nun größer, das Versteck ist für Boomer nicht zu sehen. Boomer läuft Zickzack, vor, zurück, rechts, links, mal in eine Sackgasse. Nun muss ich darauf achten, dass ich immer hinter ihm bleibe - also nicht vor ihm laufe, nicht neben ihm, sondern wirklich hinter ihm gehe, die Leine locker halte, sie kürzer fasse, wenn er langsamer wird, damit die Leine nicht durchhängt und auf dem Boden schleift. Als er die Spur wieder aufgenommen hat, prescht er los. Nun sind Kraft und Haltung gefragt - und zwar am anderen Ende der Leine! Ich darf sie nicht verlieren, die rutschige Biothane. Was wäre, wenn Boomer sich losrisse und - vollkommen eingenommen von seiner Schnüffelarbeit - einfach über die Strasse rennte? Ziemlich blöd wäre das. Also: gut festhalten. Die Regel: Man geht schneller als beim Spaziergang, aber nicht schneller als beim Walken.

 

Bei den ersten Versuchen stoße ich schon an meine Grenzen. Ich muss so viel beachten und habe alle Hände voll zu tun: den Riechgegenstand halten, die Leine nicht verlieren, Nachschub an Leckerli und Wasser für Boomer für zwischendurch bereithalten. Außerdem soll ich ihn motivieren, aber nicht ablenken (Boomer ist eher übermotiviert - ich muss ihn zwischendurch eher beruhigen oder ablenken...). Wenn er die Person, die sich versteckt hat, findet, bekommt er von ihr besonders hochwertige Leckerli und ich sage das Markerwort: "TOP!" Er wird ausgiebig gelobt. Und dann wieder alles auf Anfang. Nach dreimaligem Suchverläufen wird Boomer ins Auto verabschiedet und der nächste Hund ist an der Reihe.

 

Was ich mir unbedingt merken wollte:

 

- Etwas Wasser für den Hund zwischen den Suchdurchgängen ist gut für seine Nasenschleimhaut.

- Wenn er zu aufgedreht ist, sollte er zwichendurch entspannen, z.B. durch die ISO-Übung (Hund sitzt, ich lege ihm die Hand auf die Schulter, sage TOP und es gibt Leckerli...).

- Den Hund während der Arbeit nicht stören und nicht streicheln.

- Bestätigung und leichter Korrekturhilfen sind möglich.

- Am Ende sollte er ausgiebig gelobt werden (was mich in Sprache und Gestik in etwa an das Bohei erinnerte, das wir veranstaltet haben, als unsere Kinder das erste Mal ihr Kacki ins Töpfchen gemacht haben: Ei, wie fein, super, toll gemacht, Applaus!!!).

- Die Belohnungsleckerli sollten keine trockenen Kekse sein, sondern irgendetwas Besonderes, vorzugsweise weich, weil der Hund es hinunterschlingt.

 

Etwas große Augen bekam ich, als Boomers Suchkollege Blättermagen und Pansen als Belohnung bekam... der Geruch ist mehr als speziell.

 

Ich halte fest: Boomer hat es großen Spaß gemacht - ich allerdings muss ein paar Dinge auf dem Schirm behalten, damit die Suchroutine klappt. Ich bin gespannt auf das nächste Mal!

 

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